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Das Kennenlernen der japanischen Saunakultur

Gerade hielt ich das für mich überraschendste Geschenk in meinen Händen – ein in Japan bekanntes Magazin für Frauen „Hanako“. Ich blätterte es durch und fand mich und meine Arbeiten – eine tolle Überraschung und gleichzeitig ein Geschenk meiner japanischen Verbindungen.   

Alles hat sehr unerwartet angefangen. Ich wurde zur 16 internationalen Sauna Kongress eingeladen, um meine Produkte vorzustellen. Der Kongress fand in Litauen statt. Zu Besuch  war auch eine Delegation aus Japan. Die Japaner haben bei mir ein paar Saunahüte gekauft, womit unser Kontakt beendet war. Nach einem knappen Jahr registrierte ich auf meiner Internetseite, dass jemand versuchte, ein paar Saunahüte zu kaufen. Der Kauf wurde jedoch nicht bis zum Ende durchgeführt, was mich zum Nachdenken über die Frage brachte: Wie kann ich den Kauf für meine Kunden einfacher gestalten?

 

Während ich überlegte, rief mich ein Herr Kim an, ein Japaner. Er erzählte mir, dass er nach Europa gekommen war und mich gerne in meinem Büro besuchen wolle. Der Anruf hat mich sehr überrascht und ein wenig aus der Spur gebracht. Mein Büro war nämlich mein Zuhause, und meine Hüte-Ausstellung hing über meinem Bett. Diese Umgebung war alles andere als ein offizielles Büro, des Weiteren sprach ich nur ein paar Worte gebrochenes Englisch. Nachdem Herr Kim und ich uns jedoch am Flughafen getroffen hatten, verflog meine ganze Anspannung und Verkrampftheit. Zusammen mit einer Freundin hießen wir unseren Gast bei mir zu Hause willkommen und servierten ihm eine klassische litauische Speise: eine Rote-Beete-Suppe. Nebenbei besprachen wir das Geschäftliche. Am nächsten Tag besuchten wir  Pirčiuko Pirtis / Sauna . So begann unsere Freundschaft. Seitdem bekam ich ein paar Mal im Jahr Besuch aus Fernost, wobei wir immer andere Saunas und Veranstaltungen besuchten.

Eines Tages wurde ich dann zu einem japanischem Saunatag eingeladen – und zwar in Japan! Unendliches Glück! Ich durfte die Saunakultur meines Landes vorstellen und mich dabei selbst an die mythische japanische herantasten. Bei meinem Besuch bekam ich die Gelegenheit, ein japanisches Spa-Center zu besuchen. Nicht nur als Gast, sondern ich hatte auch Einblicke in den Alltag der Mitarbeiter. In diesem Artikel möchte ich meine Eindrücke schildern und damit meine Erfahrungen aus dem Land der Morgensonne in einer Erzählreihe beginnen.

Yokohoma – himmlische Saunas

 

Als ich am Flughafen Narita ankam, wurde ich vom Herrn Kim abgeholt. Herr Kim leitet das Spa-CenterSkyspa Yokohama“. Es liegt direkt am Busbahnhof  YCAT    Sky Building  und ist vom Flughafen aus sehr gut mit dem YACAT-Bus erreichbar (auch aus Haneda). Als wir im 14. Stock des Sky Buildings  ankamen, empfing uns ein leichter, verführerischer Duft.

Zuerst zog man die Schuhe aus, verschloss sie in einem Schuhschrank und ließ mit dem Umdrehen des Schlüssels die reale Welt hinter sich. Bei einer Tasse Matcha-Tee erfuhr ich mehr über das in Himmelshöhe eingerichtete Spa-Center. Es hat zwei Geburtstage. Im Jahr 1968 wurde eine Clubsauna errichtet. 1996 dann, nach sechsjährigen Renovierungsarbeiten, eröffnete das jetzige Spa-Center. Herr Kim hat das Familienunternehmen vom seinem Vater übernommen. In Japan sind viele Saunas familiäre Betriebe, die an die nachkommende Generationen übergeben werden. In diesen Saunas gibt es viel mehr Regeln als in öffentlichen Saunas und onsen.

Ich beobachtete viele Besucher, die wenig Wert auf den Ausblick über die Großstadt legten,  die durch Sonnenaufgang oder -untergang rot gefärbt wird. Das Center ist die ganze Nacht über bis 9:00 Uhr geöffnet. Dann öffnet es wieder nach einer kurzen Pause um 10:30 Uhr. Diese Öffnungszeiten richten sich nach den Bedürfnissen der Gäste. Das ist alles mit kulturellen Begebenheiten verbunden. Die Angestellten verlassen zum Beispiel den Betrieb nie vor dem Chef. Wenn er länger beschäftigt ist, verlängert sich der Arbeitstag auch für die Angestellten. Deswegen verpassen sie oft ihre Züge und Busse. Taxipreise sind allerdings nachts ziemlich hoch. Es bleibt nur die Möglichkeit, ins Hotel oder in die Sauna zu gehen, die auch nachts geöffnet ist. Die Besucher können sich entspannen, Anwendungen wie Massagen oder Aufgüsse ausprobieren und verschiedene Gerichte im Spa-Restaurant genießen. Am beliebtesten sind koreanisches Gulasch, Pasta, Ramen (japanische Nudeln) und bis zu minus zwei Grad gekühltes Bier.

Manche Spa-Center bieten nicht nur gemütliche Liegeplätze an, sondern auch Schlafkapseln, kleine private Räume, die zum Übernachten gedacht sind. Diese Übernachtungsart ist sehr verbreitet. Skyspa bietet ebenfalls ein so genanntes Capsule Hotel an, ein Kapsel-Hotel, allerdings nur für Männer. Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut, viel besser als in Europa.

Ich lehnte bei meinem Besuch das Angebot, die Sauna zu besuchen, nicht ab. Es war mein erster Besuch in fernöstlichen Ländern, Kultur und Traditionen waren neu für mich. Natürlich habe ich mich vor der Reise viel darüber informiert und gelesen, trotzdem bekommt man  einen Kulturschock. Auch wenn man sehr gebildet ist, fühlt man sich für einen Moment unsicher.

Als ich mich in der Sauna an der Kasse anmeldete, bekam ich einen Korb mit einigen Hygiene-Artikeln und Handtüchern. Schnell fand ich das schmale Kleidungsschränkchen, dessen Schlüssel ich am Empfang bekommen hatte. Der Platz reichte gerade so aus. Ausgezogen ging ich dann dann in die Frauenabteilung: Spiegelzimmer, Sauna „Lava“, Dampfbad, Schwimmecken und Whirlpool. Im zweiten Stock des Spa-Centers befinden sich die Ruheräume, Massagen, Ladegeräte für die Handys und Fernseher.

Schnell stieß ich auf die erste Abweichung – die Toiletten. Gleichzeitig ist das auch die größte Überraschung und Herausforderung für ausländische Besucher, was auch in ihren vielen Kommentaren deutlich wird. Wenn man das Türchen öffnet, findet man auf dem Boden ein paar Hausschuhe. Beim Hineingehen muss man diese Hausschuhe anziehen, beim Verlassen des Raumes richtet man sie wieder so aus, wie man sie vorgefunden hat. So kann der nächste Gast bequem in die Schuhe schlüpfen. Diese Regel gilt überall. Das muss man sich merken. Die Japaner sind sehr schüchtern. Aus diesem Grund hört man auf den Toiletten oft laufendes Wasser. Und über die technischen Möglichkeiten müsste ich einen extra Bericht schreiben.

Wenn man die Tür zum Badebereich öffnet, kommt man in ein spritziges Wasserparadies. Daneben befinden sich offene Duschkabinen mit einer Sitzgelegenheit. Auch das hatte ich bisher noch nie gesehen. Ein Mini-Zimmerchen mir dunklen Marmorwänden, mit einem Spiegel, einer Dusche, einem Hocker, einer Schüssel und mit allem, was man zum Waschen benötigt. Mich wunderte besonders, dass das Haarwaschmittel, die Haarspülung und die Bodylotions von der Firma „Shiseido“ stammen. Ich würde sagen, das ist besonders luxuriös. Ich habe es noch nirgendwo in Europa gesehen, dass der Gast solche Utensilien gestellt bekommt – im Eintrittspreis inbegriffen. Woanders muss man die Sachen entweder mitbringen oder extra kaufen. In Japan ist es so, dass die Spa-Center mit den großen Kosmetikfirmen zusammenarbeiten und versuchen, ihren Kunden den besten Komfort zu bieten.

Nach dem Waschen ging ich in die Sauna. Ich legte mein kleines Handtuch auf weiche Wolldecken. Man vergisst schnell den Alltag, wenn man durch das große Panoramafenster auf Yakohama schaut. Die Fensterbank aus Hymalaya-Salzsteinen ließ meine nach der Reise angespannten Munkeln entspannen. Eine „Loylymeisterin“ goss Duftendes auf und wedelte langsam mit ihrem Fächer. Die Temperatur stieg, und in meinem Kopf drehten sich meine Gedanken schon ums spätere Eintauchen ins kalte Wasser. Nach dem Programm wurde die Tür aufgemacht, und die Frauen versammelten sich am Becken. Erst begossen wir unsere Füße mit kaltem Wasser, dann konnte man mit dem ganzen Körper ins Wasser eintauchen. Sofort verschwand die Reisemüdigkeit, und ich fühlte mich wie neu geboren. Ich war für neue Erlebnisse bereit! Leider konnte ich nicht alles ausprobieren. Das türkisches Dampfbad und Massagen mussten bis zum nächsten Mal warten.

Ich nutzte die Gelegenheit, während der Schließzeit die Abteilung für Männer zu besuchen. Sie ist viel größer als die für weibliche Gäste, da in Japan die Sauna generell mehr von Männern besucht wird. Die männliche Abteilung erstreckt sich über zwei Etagen. Für die Männer werden zudem Übernachtungsmöglichkeit angeboten. Es gibt nicht nur bequeme Liegen oder Sessel, sondern auch kleine Zimmer mit Fernsehern und das Kapselhotel. Der japanische Minimalismus ist überall zu spüren. Auch das Kapselhotel ist bei der Platzbemessung und den Unterhaltungskosten aufs Wesentliche beschränkt.

Die große Sauna ist ohne Fernseher ausgestattet, was mich verwunderte – eine bewusste Entscheidung von Herrn Kim, damit seine Klienten komplett abschalten können. Herr Kim reist sehr viel und besucht Saunas und Spa-Center in aller Welt. Dank seiner Erfahrung bietet er seinen Gästen nur das an, was man unbedingt kennengelernt haben muss oder was für die Gesundheit förderlich ist. Herr Kim läuft gerne Marathon und hat damit auch manche seiner Gäste angesteckt. Jeden Mittwoch trifft sich ein Trüppchen, um entlang der Yokahamabucht zu laufen.

Ausländische Gäste sind im gemütlichen Skyspa-Center herzlich willkommen. Zu beachten ist, dass Menschen mit Tätowierungen keinen Zutritt haben.

Hier können Sie kurzer video über SkySpa Yokohama sehen

Es ist gar nicht so lange her, dass im Yakohama Skyspa ein Mädchen als Glücksbringer eingezogen ist – die Himmelsgöttin Saule, was auf litauisch Sonne heißt. Ich bedanke mich herzlich bei Herrn Kim, dass mein Geschenk, das blonde Mädchen mit Saunahut und litauischem Namen, als Talisman in seiner Sauna einen Platz gefunden hat. Genauso herzlich bedanke ich mich bei dem FSC (Finland Sauna Club) und bei der Japanischen Sauna und Spa Organisation, dass ich die Gelegenheit bekam, das Spa-Center zu besuchen und mich an die japanische Kultur heranzutasten und sie kennenzulernen.

Und das ist noch nicht alles! Es kommen noch weitere Berichte von meiner beeindruckenden Reise. Bis dahin.

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